Bei Hubert Burda Media geht der Generationswechsel in die nächste Runde. Der Münchner Medienkonzern hat zum Jahreswechsel seinen Vorstand umfassend neu besetzt und verkündet gleichzeitig einen überraschenden Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats. Marc Al-Hames übernimmt den Vorsitz von Olaf Koch, der das Unternehmen nach nur einem Jahr bereits wieder verlässt. Gleichzeitig kündigt sich ein weiterer bedeutender Personalwechsel an: Lydia Rullkötter wird im Laufe des Jahres 2026 neue CFO. Was hinter den Personalrochaden steckt und wer künftig welche Verantwortung trägt.
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Generationswechsel nimmt Fahrt auf
Die Weichen für den Wandel wurden bereits Anfang 2025 gestellt, als Jacob Burda und Elisabeth Burda Furtwängler die unternehmerische und verlegerische Verantwortung von ihrem Vater Hubert Burda übernahmen. Seitdem ist der traditionsreiche Verlagskonzern in Bewegung. Die Neuaufstellung ging mit einer Phase der Unruhe einher, die kurz vor Weihnachten ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte: Der langjährige Vorstand Philipp Welte kündigte seinen Abschied an. Hinter den Kulissen soll es zwischen ihm und dem ehemaligen Metro-Chef Olaf Koch erhebliche Spannungen gegeben haben.
Ursprünglich war geplant, dass Welte in den Verwaltungsrat wechselt. Dazu kam es jedoch nicht. Jetzt schließt das Unternehmen nach eigenen Angaben die Phase der Neuordnung mit einer komplett neu aufgestellten Führungsmannschaft ab.
Der neue Vorstand: Erfahrung von innen, Impulse von außen
Ab sofort besteht der Vorstand aus vier Köpfen: Jan Wachtel übernimmt als CEO Burda Media die Verantwortung für das gesamte Mediengeschäft. Der ehemalige Bauer-Manager ist seit Jahresbeginn im Amt und bringt frischen Wind von außen mit.
Maximilian Preisser, bislang General Counsel des Konzerns, steigt ebenfalls in den Vorstand auf. Der seit 2017 für Burda tätige Jurist verantwortet künftig die Equity-Beteiligungen wie HolidayCheck, Xing, Kununu und Cyberport sowie die Bereiche M&A, Recht, Compliance und Nachhaltigkeit.
Einen besonderen Karriereschritt macht Lydia Rullkötter: Die bisherige Co-CEO von BurdaForward wird neue CFO und folgt damit auf Holger Eckstein, der spätestens Ende 2026 in den Ruhestand geht. Rullkötter ist seit über 13 Jahren im Unternehmen und kennt die Strukturen aus dem Effeff. Sie wird den Übergang gemeinsam mit Eckstein gestalten.
Christian Teichmann komplettiert das Quartett. Der Mitgründer und Geschäftsführer von Burda Principal Investments (BPI) übernimmt im Vorstand den neuen strategischen Schwerpunkt Venture & Networks. Dazu gehören neben dem Venture-Geschäft auch die renommierte Digitalkonferenz DLD und weitere neue Geschäftsfelder.
Marc Al-Hames rückt in den Verwaltungsrat auf
Parallel zur Vorstandsneubesetzung wechselt Marc Al-Hames vom Vorstand in den Verwaltungsrat und übernimmt dort den Vorsitz. Al-Hames ist seit 2011 im Unternehmen und war seit 2023 als Vorstand für Burda Equity verantwortlich. Als langjähriger Insider kennt er die Strukturen, die Kultur und die strategischen Herausforderungen des Hauses bestens.
Er folgt auf Olaf Koch, der nach nur einem Jahr bereits wieder geht. Koch, ehemals Metro-Topmanager, begründet seinen Abschied damit, dass er sich nach einem “sehr intensiven Jahr der Neuordnung der Burda Gruppe” wieder voll als Partner von Zintinus engagieren möchte. Ein überraschend kurzes Gastspiel in der Medienwelt für den erfahrenen Manager.
Familie Burda würdigt Kochs Beitrag
Trotz der kurzen Amtszeit würdigt Jacob Burda die Zusammenarbeit mit Koch ausdrücklich: “Es war eine Freude, mit Olaf Koch zusammenzuarbeiten. Er hat in einer Transitionsphase wichtige Impulse gesetzt und so zur Neuausrichtung unseres Unternehmens beigetragen.”
Auch Koch selbst zeigt sich dankbar: “Ich bedanke mich herzlich bei der Familie Burda für ihr Vertrauen und die enge Zusammenarbeit im Jahr 2025. Es war mir eine große Ehre und Freude, an der Neuausrichtung dieses Unternehmens mitzuwirken.”
Elisabeth Burda Furtwängler betont die Bedeutung des Führungswechsels: “Wir freuen uns, dass Marc Al-Hames uns als profunder Kenner des Unternehmens nun bei der Weiterentwicklung eng begleiten wird.” Die Botschaft ist klar: Nach der Phase der externen Impulse setzt Burda jetzt auf interne Expertise und Kontinuität.
Aufbruchsstimmung trotz Turbulenzen
Marc Al-Hames selbst sieht die Neubesetzung als wichtiges Signal: “Mit der Berufung des neuen Vorstands setzen wir auf Erneuerung aus eigener Stärke und Bereicherung von außen. Die drei Führungspersönlichkeiten aus unseren Reihen bilden gemeinsam mit Jan Wachtel ein starkes Team, das unsere Stärken kennt und die Transformation des Unternehmens mit großer Aufbruchsstimmung und neuen Impulsen vorantreibt.”
Der Verwaltungsrat bei Burda, der in seiner Funktion einem Aufsichtsrat bei anderen großen Medienhäusern ähnelt, berät und überwacht den Vorstand und wirkt an der strategischen Ausrichtung mit. Neben Al-Hames gehören ihm weiterhin die Eigentümerfamilie, Ulrike Handel, Meredith Whittaker sowie Andreas Rittstieg als stellvertretender Vorsitzender an.
Was bedeutet das für Burda?
Die umfassende Neuaufstellung zeigt, dass bei Hubert Burda Media ein grundlegender Wandel im Gang ist. Nach Jahren unter der Führung von Hubert Burda übernehmen nun seine Kinder die Verantwortung und setzen eigene Akzente. Die Mischung aus internen Kennern wie Al-Hames, Rullkötter und Preisser sowie dem externen Manager Wachtel könnte sich als tragfähige Basis für die Zukunft erweisen.
Die Personalturbulenzen der vergangenen Monate waren zweifellos nicht einfach für den Konzern. Doch manchmal braucht es genau diese Phase der Unruhe, um den Weg für echte Veränderung frei zu machen. Mit der neuen Führungsriege hat Burda jetzt die Chance, die nächsten Kapitel der Verlagsgeschichte selbstbewusst zu schreiben. Bleibt abzuwarten, wie sich die neue Konstellation in den kommenden Monaten bewährt und welche strategischen Weichenstellungen folgen werden.