Der Wissenschaftsverlag Springer Nature schreibt gerade ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte. Der Konzern trennt sich von seinen beiden großen Publikumsmagazinen, Spektrum der Wissenschaft in Deutschland und Scientific American in den USA. Für die Medienbranche ist das eine Nachricht mit Signalwirkung, denn beide Marken zählen seit Jahrzehnten zu den prägendsten Stimmen im Wissenschaftsjournalismus. Wir werfen einen Blick auf die Hintergründe des Deals, die neuen Eigentümer und die Pläne für die Zukunft der beiden Traditionsmagazine.
Inhaltsverzeichnis
Springer Nature konzentriert sich aufs Kerngeschäft
Springer Nature begründet den Verkauf mit einer klaren strategischen Linie. Der Konzern will sich künftig voll und ganz auf sein globales Kerngeschäft in den Bereichen Forschung, Gesundheit und Bildung konzentrieren. Die beiden Publikumsmagazine passen zwar journalistisch bestens zum Unternehmen, gehören aber eben nicht zu diesem Kern. CEO Frank Vrancken Peeters betont, dass sich Springer Nature viel Zeit genommen habe, um für Scientific American und Spektrum der Wissenschaft die richtigen neuen Eigentümer zu finden, die Expertise und Ambition im Publikumsmedienbereich mitbringen.
Scientific American wechselt zur LabX Media Group
Das US-Magazin Scientific American geht an die LabX Media Group, ein international tätiges Medienunternehmen mit klarem Fokus auf Wissenschaftsthemen. Die Transaktion wurde bereits am 24. Juni abgeschlossen und damit zügig über die Bühne gebracht. Für Scientific American, eines der ältesten Wissenschaftsmagazine der Welt, bedeutet das einen frischen Neustart unter einem Dach, das sich ganz auf Wissenschaftskommunikation spezialisiert hat.
Spektrum der Wissenschaft geht an GeraNova Bruckmann
Für den deutschen Markt hat Springer Nature einen anderen Weg gewählt. Die Verlagsgruppe GeraNova Bruckmann übernimmt Spektrum der Wissenschaft, den Verkauf muss allerdings noch die zuständigen Behörden absegnen. Läuft alles nach Plan, soll die Transaktion im weiteren Jahresverlauf abgeschlossen werden. GeraNova Bruckmann-Verleger Clemens Schüssler zeigt sich sichtlich stolz auf den Zuwachs und betont, dass wissenschaftliche Expertise, journalistische Qualität und Innovationskraft die Grundlage für die außergewöhnliche Marktposition der Magazinfamilie bilden. Gemeinsam wolle man die publizistische Stärke der Marke bewahren und gleichzeitig neue Chancen in Print und digital erschließen.
Diese Titel gehören zur Magazinfamilie
Mit der Übernahme sichert sich GeraNova Bruckmann nicht nur das monatlich erscheinende Hauptmagazin, das bereits seit 1978 auf dem Markt ist, sondern auch gleich acht Line Extensions dazu. Dazu zählen Gehirn und Geist, Sterne und Weltraum, Spektrum Gesundheit, Spektrum Psychologie, Spektrum Geschichte, Die Woche, Spektrum Dossier sowie Spektrum MINT. Auch die zugehörigen digitalen Angebote wandern mit ins neue Verlagshaus. Für Leserinnen und Leser bedeutet das vor allem eines, die gewohnte Themenvielfalt bleibt erhalten und wird künftig unter neuer Flagge weitergeführt.
Was der Verkauf wirtschaftlich bedeutet
Beide Magazine trugen im Jahr 2025 zusammen rund 25 Millionen Euro zum Umsatz von Springer Nature bei, eine Summe, die zeigt, wie relevant die beiden Titel trotz ihrer vergleichsweise überschaubaren Größe für den Konzern waren. Finanzielle Details zu den einzelnen Kaufpreisen wurden nicht veröffentlicht. Für die Prognose des Konzerns im laufenden Geschäftsjahr 2026 soll der Verkauf keine Auswirkungen haben. Ab 2027 rechnet Springer Nature sogar mit einem leicht positiven Effekt auf das bereinigte operative Ergebnis, ein Beleg dafür, wie konsequent der Konzern seine Ressourcen künftig bündeln möchte.
Kontinuität steht im Mittelpunkt
Sowohl Springer Nature als auch die neuen Eigentümer betonen, wie wichtig ihnen die Kontinuität der beiden Publikationen ist. Springer Nature will eng mit LabX Media Group und GeraNova Bruckmann zusammenarbeiten, damit der Übergang für Redaktionen, Abonnentinnen und Abonnenten sowie den Handel möglichst reibungslos verläuft. Für die Teams hinter Scientific American und Spektrum der Wissenschaft bedeutet der neue Eigentümer vor allem eine Chance, journalistisch dort weiterzumachen, wo bislang aufgehört wurde, mit frischen Impulsen und neuen Möglichkeiten im Rücken.
Fazit
Der Verkauf von Spektrum der Wissenschaft und Scientific American markiert einen echten Wendepunkt für zwei der bekanntesten Wissenschaftsmagazine überhaupt. Springer Nature schärft mit diesem Schritt sein Profil und übergibt zugleich zwei Herzensprojekte an Eigentümer, die sich voll und ganz dem Publikumsmediengeschäft widmen. Für Leserinnen und Leser in Deutschland verspricht GeraNova Bruckmann, die publizistische Stärke von Spektrum der Wissenschaft zu bewahren und zugleich neue Wege in Print und Digital zu gehen. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die Magazinfamilie unter dem neuen Verlagsdach weiterentwickelt.